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                                             Domtafel 2011 - Humorvoll und mitteilsam 
                                                                           (Artikel in der SVZ, 30. Januar 2011)

                       Mehr als 90 Gäste kamen zur 16. Domtafel / Domgemeindeglied
und Sozialministerin M-V                                                                          Manuela Schwesig  hielt die Festrede

„Ich hoffe, Sie haben einen vergnüglichen Abend.“ Ohne lange Rede, sondern mit einfachen,  ermun- ternden Worten eröffnete der Vorsitzende des Förderkreises Schweriner Dom, Thomas Balzer, die 16. Domtafel. Mehr als 90 Gäste waren am Freitag, 28. Januar in die Thomaskapelle gekommen, um sich zu unterhalten, zu essen und dem Dom etwas Gutes zu tun.

„Es ist schön, dass Sie heute Abend bei uns sind“, sagte Domprediger Albrecht Martins, der seine Begrüßung mit einem Gebet von Thomas Morus (1478-1535) verband, in dem es unter anderem heißt: „Herr schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“

Humorvoll und mitteilsam zeigte sich auch Sozialministerin Manuela Schwesig, die als Ehrengast der diesjährigen Domtafel die Festrede hielt. „Licht und Schatten einer Ministerin im Blitzlichtgewitter“, so lautete das Thema. Schwesig reflektierte das Zusammenspiel von Politik und Medien, berichtete über Talkshow-Erfahrungen („Ich sah bei »3 nach 9« aus wie Kim Wilde“) und versicherte, sie werde auch künftig als Privatperson authentisch bleiben und als Politikerin an ihren Überzeugungen festhalten.

Bewirtet wurden die Gäste der Domtafel traditionsgemäß von Ute Brinkama und ihrem Team. Als Hauptgang kam in diesem Jahr Sauerbraten von der Wildschweinkeule mit Kräuter-Rosenkohl und Kartoffelgratin auf den Tisch. Maximilian Friedrich an der Orgel sorgte für den musikalischen Rahmen, erfreute die Besucher etwa mit Musik von Léon Boëllmann.

Bilanz des Benefiz-Essens: Rund 6.500 Euro flossen in die Kasse des Dom-Förderkreises. „Wir wollen mit diesem Geld die Sanierung der Fenster im Chorumgang des Doms fortsetzen“, erklärte die stellvertretende Förderkreis-Vorsitzende, Gerlinde Haker.



Wie war es, wie ist es - Der Förderkreis Schweriner Dom e.V.

Am Abend des 9. November 1989 fuhren viele Menschen spontan – nach den Abend
nachrichten im Fernsehen: „ab sofort kann man ausreisen“ – gen Westen. Auch wir versuchten es – die Familie Haker aus Schwerin – und es war möglich, gegen 2 Uhr morgens standen wir in Ratzeburg vor der Tür unserer Verwandten. Ab Heiligabend 1989 konnten dann auch die Menschen aus dem Westteil Deutschlands ohne Visum zu uns kommen. Und sie kamen. Wir in der Domgemeinde organisierten, dass der Dom die ganzen Tage bis über Neujahr offen war.

Gern erzähle ich die Geschichte zu den Spendengeldern, denn wir hatten damals noch keine Möglichkeit, ein Konto bei der Sparkasse Schwerin mit „Westmark“ zu eröffnen. Unser Pastor mit Begleitern fuhr das Geld, ordentlich gerollt, in Taschen und Koffern verpackt,  in einem Wartburg – mit Decken verhüllt – über die Grenze nach Ratzeburg. Die Beschäftigten der Ratzeburger Sparkasse staunten nicht schlecht, als das viele Geld (70.000 D-Mark) auf dem Tresen lag und damit ein Dom-Konto eröffnet wurde. Mit dem größten Teil dieser Summe finanzierten wir später die Restaurierung des Triumphkreuzes. Ich kam Ende der 60er Jahre nach Schwerin und erlebte an der Seite des Baubeauftragten Horst Haker, wie der Dom Stück für Stück in Ordnung gebracht wurde.

Es regnete durchs
Dach, die Dachpappe auf dem Turm löste sich bei Sturm und flog über die Stadt. Der Innenraum hatte eine neugotische Ausmalung, die aber vor Schmutz und Abnutzung fast nicht mehr zu erkennen war. Die Fenster im Chorumgang waren zugenagelt. Es gab wenig Geld, keine Unterstützung vom Staat, kaum Material – aber tatkräftige und ideenreiche Menschen sowie eine spendenfreudige Partnerkirche in Bayern. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs pflegte eine enge Partnerschaft mit der Landeskirche Bayern, die bis heute anhält. Endlich konnte das Dach mit Steinen aus Bayern neu gedeckt werden. Der Turm bekam eine neue Kupferdeckung, das Kupfer kam ebenfalls aus Bayern. Ein Hängegerüst wurde eigens dafür konstruiert, eine gesamte Einrüstung hätten wir uns niemals leisten können. Zum Schluss kam der Innenraum des Domes an die Reihe, er bekam eine mittelalterliche Ausmalung. Die Gerüste für die Ausmalung, auch aus Bayern geliefert, wurden unter Anleitung von Fachleuten mit vielen ehrenamtlichen Helfern auf- und abgebaut. Über Jahre gab es eine Gruppe von etwa 40 ständigen Helfern. Jeden Sonnabend wurde gearbeitet. Frauen aus der Domgemeinde sorgten für die Verpflegung.

„Wir haben den Dom schön gemacht für die Wiedervereinigung Deutschlands“, so sagte es
unser damaliger Domprediger Friedrich-Karl Sagert den staunenden Besuchern aus dem Westteil Deutschlands. Und nun waren wir 1990 im wiedervereinigten Deutschland, im „Westen“ angekommen. Es gab noch genug bauliche Probleme, an vielen Stellen war eine Restaurierung dringend nötig. Die Steine am Turm waren abgängig, die Turmuhren reparaturbedürftig. Die Assistenz figuren des Triumph-
kreuzes waren nach 50 Jahren „in der Ecke stehen“ unansehnlich, wurmstichig und ohne Farbe. Der Lostealtar, die Tauffünte, die Taufkapelle, die zugenagelten Corneliusfenster, alles wartete auf die Restaurierung. Zwei Glocken mussten ergänzt werden, sie waren dem Krieg als Material zum Opfer gefallen.

Ehrenamtliches bauliches Engagement war aus verschiedenen Gründen (Versicherung, büro
kratische Veränderungen) nicht mehr in dem bisherigen Umfang möglich. Wir waren in einer neuen Zeit angekommen und brauchten Geld, um alles in Ordnung bringen zu können. Was tun? 1992 fanden sich 26 Menschen aus Schwerin, alteingesessene und zugezogene Schweriner und Schwerinerinnen, die den Förderkreis Schweriner Dom e.V. gründeten. Inzwischen sind 18 Jahre ins Land gegangen, 18 Jahre unermüdlichen Geldeinwerbens für die Erhaltung des Domes. Die Anzahl der Förderkreismitglieder ist auf rund 200 Mitglieder und ebenso viele Freunde des Förderkreises gewachsen. Mitgliedsbeiträge, Spenden, Erlöse aus der „Domtafel“, dem Benefiz- essen in der Thomaskapelle (dieses Jahr hatten wir die 15. Domtafel), haben dazu beigetragen, dass alle Projekte in die Tat umgesetzt werden konnten. Auch vom Land und der Stadt bekamen wir großzügige Unterstützung. Rührige Vorsitzende des Förderkreises bemühten sich zusammen mit dem aktiven Vorstand und dem Kuratorium. Wir sind dankbar und freuen uns, dass wir unter neuen Verhältnissen neue Wege fanden – die erfolgreich für den Schweriner Dom sind. Dank allen, die uns dabei unterstützten und auch in Zukunft unterstützen wollen.
Gerlinde Haker
Stellvertretende Förderkreis-Vorsitzende Schweriner Dom e.V.



Förderkreis kann Projekt umsetzen
Land unterstützt Restaurierung zweier weiterer Historienfenster im Schweriner Dom - Arbeiten dauern bis ins Jahr 2011
Spätestens Mitte August soll mit der Restaurierung zweier weiterer Historienfenster  im Chorumgang des Schweriner Domes  begonnen werden. Möglich werden die Arbeiten durch eine großzügige Förderung aus dem Zukunftsfond MV. Udo Michallik (3.v.l.), Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, überreichte gestern den Zuwendungsbescheid in Höhe von 46 500 Euro an den Vorsitz- enden des Förderkreises Schweriner Dom, Thomas Balzer. 18 000 Euro wird der Förderkreis an Spenden für das Projekt aufbringen.

Das Land unterstützt kontinuierlich die Restaurierungsarbeiten im Dom, betonte Michallik. So seien bereits knapp 18 000 Euro aus dem Zukunftsfond MV in die Sanierung des ersten der drei Historienfenster im vergangenen Jahr geflossen. Um so mehr dankte Balzer, dass der Förderkreis nun wiederum bedacht werde. „Das ist für uns eine besondere Freude“, so der Förderkreis-Vorsit zende. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die drei Fenster im Hohen Chor des Doms von der Tiroler Glasmalerei Innsbruck angefertigt. Das zentrale große Fenster zeigt die bekannte biblische Szene der „Verklärung auf dem Berg“, wie Domprediger Volker Mischok bei der Übergabe des Zuwendungsbescheides erläuterte. Zu sehen seien Jesus, Mose und Elia.

1975 sind die Fenster nach Angaben von Restauratorin Luise Brügemann zuletzt saniert worden. Bei den jetzigen Arbeiten in einer Werkstatt würden unter anderem die Bleifelder gereinigt und schad- hafte Scheiben geklebt. „Beim Ausbauen der Fenster müssen wir darauf aufpassen, dass die Scheiben an den Rändern nicht springen“, so Brügemann. Nach der Sanierung bekämen die Historienfenster eine Zweitverglasung, die sie von außen gegen Steinschlag schützen soll. Beim im vergangenen Jahr restaurierten Fenster sei das Sicher- heitsglas bereits angebracht worden, berichtete die Expertin. Voraussichtlich bis ins nächste Jahr würden die nun anstehenden Restaurierungsarbeiten dauern. Auf Initiative und mit Mitteln des Förderkreises seien in der Vergangenheit unter anderem bereits auch die Cornelius-Fenster im Dom saniert worden, schilderte die stellvertretende Förderkreis-Vorsit zende, Gerlinde Haker. Für den Eigenanteil zur Finanzierung des aktuellen Restaurierungsprojektes werde insbesondere auch der Erlös der diesjährigen Domtafel genutzt.


Fenster für den Dom
Knapp zwei Jahre werden noch vergehen, bis zu Pfingsten 2012 der Dom die Bischofskirche einer gemeinsamen großen Landeskirche zwischen Nord- und Ostsee sein wird. Aus dem Förderkreis Schweriner Dom e.V. kam die Idee, aus diesem Anlass zusätzlich zu den vorhandenen historischen Farbfenstern ein weiteres Fenster im Dom durch einen Künstler gestalten zu lassen. Diese Idee wurde dem Kirchgemeinderat vorgetragen und fand dort offene Ohren. Nun gibt es eine Arbeitsgruppe, die diese Idee weiter voranbringen soll, die sich bereits erste Gedanken gemacht hat über die Auswahl eines Fensters, das Thema und die
Frage einer Ausschreibung für künstlerische Entwürfe. Danach wird es darum gehen, die Finanzierbarkeit zu prüfen und Sponsoren zu gewinnen. Unsere Hoffnung ist, dass die Verwirklichung dieses Projekts dazu beitragen kann, Menschen aus dem Bereich der zukünftigen Nordkirche mit ihrer Bischofskirche zu identifizieren und dem Bauwerk ein sichtbares Zeugnis eines wichtigen historischen Schrittes zu verschaffen.

Albrecht Martins