| Partnerschaft
mit der Pare-Diozese in Tansania
Die Initiativgruppe
Frauenpower am Fuße des Kilimandscharo
Wenn Christiane
Lazarus "pole, pole" sagt, amüsieren sich ihre beiden
Kinder sehr. Pole, das Wort für alle Fälle, hat ihre Mutter
aus Afrika mitgebracht.
"Pole", erzählt sie, "bedeutet bei den Massai-Frauen
alles: es tröstet, beruhigt, spornt an" Vor vier Jahren
besuchte die 37-Jährige zum ersten Mal Frauengruppen in Tansania
und hat sich fest vorgenommen, es wieder zu tun.
Die erste Schwerinerin war sie dort aber nicht. Schon seit über
20 Jahren hat die Mecklenburgische Landeskirche partnerschaftliche
Beziehungen zur Pare-Diözese im Norden Tansanias. Domgemeindemitglied
Gerlinde Haker, "Pionierin" dieser besonderen Kontakte
nach Afrika, erzählt: "Weil ich etwas Englisch sprach,
begleitete ich damals die Gäste der Mecklenburgischen Landeskirche,
erfuhr viel von den Problemen gerade der Frauen. Schon damals, noch
mit Ostmark, hat die Kirche Projekte gefördert."
Doch der einseitige Kontakt erweiterte sich mit der Wende. 1993
fuhr Gerlinde Haker zum ersten Mal in die Pare-Diözese am Fuße
des Kilimandscharo. Ganz offiziell in einer Delegation zur 100-Jahr-Feier
der Lutherischen Kirche. Nach den offiziellen Feierlichkeiten unter
Palmen besuchte sie Frauengruppen in den Pare-Bergen und in der
Massai-Steppe. Dort lernte sie nicht nur das "Pole, pole"
kennen, sondern tauchte in eine ganz andere Welt ein. In eine Welt,
in der Frauen den ganzen Tag arbeiten, um zu überleben. In
der sie sich um den Haushalt, das Essen, die Kinder, die Arbeit
auf dem Feld kümmern, wo sie acht Kilometer zum Wasser holen
laufen.
Die Familien sind groß, denn obwohl Christen, haben die Massai-Männer
oft zwei, drei Frauen. "Doch trotz der Arbeit", sagt Gerlinde
Haker, die sie alle zwei Jahre besucht, "sind gerade die Frauen
Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen."
Sie kommt "nach jeder Fahrt recht geläutert zurück,
weil ich sehe, mit wie wenig man leben kann." Und wie man mit
für deutsche Verhältnisse sehr wenig Geld viel helfen
kann. Das beginnt schon bei Spenden für Material, aus dem sie
Schmuck und andere Dinge gestalten, um sie auf dem Markt zu verkaufen.
Das größte Projekt, an dem sich die Schweriner Domgemeinde
bislang beteiligte, ist die Anschaffung einer Maismühle in
den fruchtbaren Parebergen. Damit ersparen sie den Frauen nicht
nur endlose Wege ins Tal, sondern gaben ihnen auch die Chance, Geld
zu verdienen. 10000 Euro waren nötig, die Hälfte sammelte
Gerlinde Haker.
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Initiativgruppe von Links
nach Rechts:
Anke Prinzler, Gerlinde Haker, Christiane Lazarus |
Stolz
sind die Schwerinerinnen auf ein neues Projekt, das sie gemeinsam
mit der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwickung in
Same fördern. "SAWODE" heißt es. Die Frauen
haben Land gepachtet für Obst- und Gemüseanbau. Aus Schwerin
kam das Geld für den Zaun drumherum, der die zarten Pflänzchen
vor ungewollten Mitessern schützt. "Nun entsteht dort
noch ein Haus", erzählt Gerlinde Haker, "um die Ernte
zu konservieren." Etwas Besonderes sind Toilette und Küche,
Wasserleitung und der Fischteich mit kleinen Fischen drin.
"Die kann man sogar essen", schmunzelt Christiane Lazarus,
die bei ihrem ersten Besuch Angst hatte, nicht satt zu werden. "Aber
es war alles sehr schmackhaft, selbst wenn der Sand zwischen den
Zähnen knirschte, weil das Fleisch am Straßenrand
gebraten wurde." Und die Projektleiterin Upendo, Mutter von
drei Kindern und inzwischen selbst Ausbilderin von anderen Frauen,
ist den drei Schwerinerinnen eine Freundin geworden.
Anke Prinzler als Dritte im Bunde folgte 2002 auf dem Weg nach Tansania.
Die drei Frauen haben nun ein Team gebildet - die Tansania-Initiativ-Gruppe.
Gemeinsam sammeln sie Spenden und gemeinsam entscheiden sie, was
mit dem Geld gefördert werden soll: Material, Kindergärten
oder Wasserleitungen, alles, was den Frauen in Afrika den Alltag
erleichtert. Denn ihre Hilfe ist vor allem Hilfe zur alltäglichen
Lebensführung - Ernährung, Hygiene, Lebensunterhalt. Doch
ist sie mehr, denn sie macht den afrikanischen Frauen Mut, gibt
ihnen ein Stück Freiheit."Der Bischof des Pare-Diözese",
erzählt Gerlinde Haker, "hat sich schon beschwert, wir
hätten dort die Sitten verdorben. Doch das meint er im positiven
Sinn, denn auch durch unsere Arbeit hat sich die Stellung der Frauen
verbessert. Sie sind selbstbewusster geworden, und die Männer
akzeptieren es, denn sie profitieren davon." Die Spenden, die
sie in der Domgemeinde, bei Freunden und Bekannten sammelt,
nimmt Gerlinde Haker bar im Rucksack mit. Die Geldübergabe
im Umschlag ist stets ein öffentliches Fest. "Die ganze
Gemeinde schaut zu", sagt sie, "und überprüft,
was damit geschieht."
Bis zum nächsten Februar will die Tansania-Initiativ-Gruppe
wieder viele Menschen für ihre Arbeit begeistern.
Birgitt
Hamm
Dieser
Text stammt aus dem "Schweriner Express" vom 21. April
2004
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