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Partnerschaft mit der Pare-Diozese in Tansania

Reisebericht 2004

Ein Huhn als Dank für die Freundschaft

Frauen in den Pare-Bergen und der Massai-Steppe
Besuch in den lutherischen Gemeinden der Pare-Diocese, Tansania

Heute geht es hoch in die Pare-Berge, in Kirangare treffen sich Frauen und Evangelisten aus einigen Orten, um mit Phoebe, der Frauenbeauftragten der Diocese den Weltgebetstag vorzubereiten... Wir sind das schmückende Beiwerk. Lange schon wurden wir angekündigt: zwei Frauen aus der Partnerkirche in Mecklenburg. Ich bin keine Unbekannte, auf mich warten Frauen, die ich schon viele Jahre kenne. Dass die Church-Hostel-Crew uns heute am Morgen pole safari wünscht, hat seinen guten Grund und ist eine schöne Geste. Denn ich weiß, die Fahrten in die Berge oder in die Massai-Steppe sind immer abenteuerlich. Die Reifen der Jeeps und auch die Wege sehe ich mir lieber nicht an.
Bis Hedaru geht es auf der einzig guten Strasse entlang, eine Cola am Kiosk spendiere ich allen bevor es dann den Berg hinauf geht. Der Weg nach Mala-Papa ist sehenswert - immer wieder staune ich, dass die Autos es schaffen. Driver Noel, ein alter erfahrener Fahrer, lächelt mich an: Wie oft bist Du hier schon hinaufgefahren? Das dritte Mal, erinnere ich mich. Er fährt schon jahrelang diese Strecke...
Oben angekommen, fahren wir noch weit in die Berge hinein, nehmen etliche Frauen und Evangelisten mit ins Auto, die wir auf dem Weg treffen. 2-4 Stunden Weg haben sie heute nach Kirangare zum Treffen, abends wieder zurück. Sie haben nichts bei sich, keine Wasserflasche, wie wir im Rucksack, keinen Ohnmachtshappen... die eine Mahlzeit dann in der Kirche reicht für den Tag.
Frola, die Frauenleiterin von Mala-Papa, steigt auch ins Auto und wir begrüßen uns, freuen uns übers Wiedersehen - Englisch kann sie nicht, wenigstens nicht viel. Aber mit Händen, Füßen, Herz und Kopf und ein wenig Kisuaheli verstehen wir uns - und im Zweifelsfall hilft Phoebe oder Noel. Frola lacht und erzählt, dass die Maismühle ihnen seit 4 Jahren das Leben erleichtert (1998 bekam Mala-Papa eine, die mecklenburgischen Gemeinden halfen dabei).
In der Kirche, hoch oben in den Bergen, konnte ich dann bei der Vorbereitung für den WGT die Frauen beobachten - in der Zeit wurde für uns zwei Mecklenburgerinnen nicht übersetzt - Die Frauen, die sich den Tag freinahmen bzw. von ihrer Familie freibekamen, die stundenlang zu diesem Treffen laufen mussten, saugten die Informationen auf. Angestrengt lauschten sie, fragten viel. Phoebe erzählte von den Frauen aus dem Libanon, die dieses Mal den WGT-Gottesdienst vorbereiteten. Für Pare-Frauen ist das alles weit entfernt, so wie auch Mecklenburg weit entfernt ist. Doch zu uns haben viele Kontakt, jeder kennt jemanden, der schon einmal in unseren Gemeinden zu Besuch gewesen ist.
Ein Pastor in den Bergen, am Tag zuvor, erzählte mir strahlend von dem herrlichen Schloss in Schwerin, von den sauberen Dörfern und Städten in Deutschland... er möchte gern dort leben. Fragte, ob wir mit ihm tauschen wollen...
Janet, die im November in Mecklenburg mit dem Kifula-Chor war, kam ebenfalls zu Fuß über die Berge, um uns zu treffen...
Die Frauen freuen sich, dass wir sie besuchen, immer wieder kommen. Sie nicht vergessen. Uns für ihr Leben interessieren und ihnen an manchen Stellen, bei manchen kleinen Projekten, helfen. Dank der Domgemeindeglieder und anderer Freunde konnte ich allen Frauengruppen, die wir diesmal besuchten einen Umschlag mit Inhalt geben - für ihre Frauengruppen - Arbeit.
Bei der Rückfahrt nach Same trafen wir die alte Mama Naza - die Vorgängerin von Frola in Mala-Papa. Sie versprach am nächsten Sonnabend nach Same zu uns zu kommen...
Und sie kam. Sie lief - ebenfalls stundenlang - von den Bergen herunter bis zur Strasse, nahm den Bus bis Same und besuchte uns - unter dem Arm ein Huhn. Das bereitete sie uns am nächsten Tag - als Dank für unsere Freundschaft.
Aus dem Inhalt eines Umschlags, den ich ihr persönlich 1998 gab, kaufte sie sich damals ein Schaf, das inzwischen schon etliche Kinder bekam, somit ist die tägliche Milchfrage geklärt...
Am beeindruckendsten war dann noch der Tag in der Massai-Gemeinde im Ruvu-Gebiet. Tee und Chapati (ähnlich Eierkuchen, aber ohne Ei) unter einem Dornenbusch und dann der Gottesdienst in einer Hütte. Welch bunter schöner Anblick: die Mädchen und Frauen und die Babies -einige Männer saßen dabei.
7 Kinder wurden getauft, Pastor Berg (ein bayrischer Pastor, der für einige Jahre dort den Gemeindedienst macht) erzählt, dass es viel Mühe macht, die Männer zu überzeugen, das sie bei der Taufe ihres Kindes dabei sein sollen... Er schaffte es, alle Väter waren da.
Schon das Leben der Frauen in den Pare-Bergen ist unvorstellbar schwer, bei den Massai-Frauen ist es für uns schier unergründlich, wie sie ihr Leben bewältigen. Und alle strahlen, freuen sich über Kleinigkeiten, scheinen zufrieden zu sein.
Eins hören wir immer wieder bei unseren Gesprächen. Dass das Christ-sein ihnen viele Vorteile gebracht hat: die Frauen fühlen sich anerkannt, freier, befreit von manchen bedrückenden Traditionen. Allerdings wird uns erzählt - vom deutschen Pastor -, dass das Beschneiden der Mädchen wieder zugenommen hat bzw. nicht nachgelassen hat. Das betreiben die alten Frauen und dem ist nicht beizukommen, obwohl so viele Beschwerden ein Leben lang für die Frauen davon ausgehen...
In Same lerne ich durch Freundinnen vier Massai-Frauen kennen, die mit je einem Kind und nur in einem Kleid ihr Zuhause - ihre Boma - verlassen haben um frei zu sein. Eine kirchliche Gemeinschaft nahm sie auf, gab ihnen Raum zum Leben. Wie es weitergeht wissen sie noch nicht.
Diese Frauen "wurden mir ans Herz gelegt", ich werde mich kümmern...
Das pole safari (eine behütete Reise) und das kwa heri (Auf Wiedersehen) klingt uns noch in den Ohren.
Ja, wir werden in Kontakt bleiben und wir werden wiederkommen...

Gerlinde Haker und Anke Prinzler waren im Februar 2004 drei Wochen in Tansania