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Partnerschaft mit der Pare-Diozese in Tansania

Reisebericht 2005
Artikel aus der SVZ vom 30.3.2005 von Christian Meyer

Afrikas Sitten auf den Kopf gestellt

"Mit jeder Nähmaschine und jedem Fahrad ist den Menschen in Tansania geholfen." Gerlinde Haker weiß worüber sie redet. Seit zwölf Jahren fährt die Mitarbeiterin der Domgemeinde regelmäßig zu den "grünen Hügel Afrikas", wie Ernest Hemingway die Pare-Berge beschrieb. Sie kümmert sich um Hilfsprojekte und kurbelt mit anderen Mitstreiterinnen der evangelisch-lutherischen Domgemeinde Spendensammlungen für das ostafrikanische Land an. Allein im Vorjahr kamen 6 000 Euro zusammen.
Erst jüngst kehrte Gerlinde Haker von ihrem siebten Besuch in Tansania zurück. Begleitet worden war sie auf der dreiwöchigen Tour von Dr. Irmgard Kirchner. Gleich auf ihrer ersten Reise rettete die pensionierte Ärztin einer jungen Frau vom Stamm der Massai das Leben. "Ihr Mann bat darum, dass die Doktorin sich seine Frau ansieht. Sie diagnostizierte einen gefährlichen Abszess. Wir organisierten umgehend die Einlieferung in eine Krankenstation," berichtet Gerlinde Haker. Da der medizinische Punkt aus allen Nähten platzte, mussten sich die junge Massai und ihr Baby mit einer anderen Patientin ein Krankenbett teilen. Haker: "So etwas kommt in dem ganz anderem, armen, aber nicht elenden Land Tansania schon vor."
Vor allem aber waren die beiden Schwerinerinnen in einer anderen Mission unterwegs: Sie besuchten Frauen in den Pare-Bergen und der Massai-Steppe und informierten sich über deren Projekte. "Mittlerweile gibt es in jedem Dorf eine Gruppe. Das ist ein großer Schritt," sagt Gerlinde Haker und nennt Beispiele: Einige Frauen flechten Körbe, andere nähen Kleidung oder bauen Gemüse an – auch um die Waren auf Märkten zu verkaufen. Doch der Ackerbau ist seit fünf Jahren ein großes Wagnis, denn so lange Zeit herrscht in Tansania schon Dürre. "Die Maiskörner liegen im Boden und es regnet nicht", berichtet die Augenzeugin.
Dennoch sei Upendo Tito vom Projekt "Sawode" zuversichtlich. Zusammen mit anderen Frauen konnte sie mit Hilfe der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung und Geld der Domgemeinde ein Stück Land zum Gemüseanbau pachten, einen Zaun ziehen, ein Haus bauen...Jetzt lernen die tansanianischen Familien, Gemüse nicht nur anzubauen, sondern dieses auch zu veredeln und es als Vorrat zu konservieren.
Neben dieser Hilfe zur alltäglichen Lebensführung machen solche Projekte den afrikanischen Frauen Mut, geben ihnen ein Stück Freiheit. "Der Bischof der Pare-Diocese", erzählt Gerlinde Haker, "hat sich schon beschwert, wir hätten dort die Sitten verdorben." Allerdings meine er dies im positiven Sinn, denn auch die Männer profitieren von ihren selbstbewusster gewordenen Frauen.
Wer mehr wissen möchte über die Situation in Tansania und wie bereits mit kleinen Spenden von 20 oder 40 Euro Hilfe zur Selbsthilfe möglich ist, sollte sich den morgigen Donnerstag Abend vormerken. Gerlinde Haker und ihre Mitstreiterinnen berichten in der Thomaskapelle (Dom) über die jüngste Reise und ihre Initiativgruppe.